Wir sind Weltmeister

Nach 24 Jahren mit zahlreichen „Teilerfolgen“ hat es die deutsche Fußball-Nationalmannschaft endlich wieder geschafft: Wir sind Weltmeister!

Die deutsche Nationalmannschaft ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie Arbeitskräfte mit Migrationshintergrund, d.h. direkte Einwanderer und ihre Nachfahren sich bereichernd auf unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft auswirken. Dieser Erfolg wäre ohne diese ausländischen Fachkräfte (oder „Spezialkräfte“, wie Jogi Löw sagt) nicht möglich gewesen.

Allen voran der WM-Torschützenkönig aller Zeiten Miroslav Klose. Er, genauso wie die rheinische Frohnatur Lukas Podolski gehören der größten deutschen Einwanderergruppe an. Sie sind Aussiedler, d.h. Deutsche die außerhalb Deutschlands geboren wurden und später nach Deutschland zugezogen sind. Beide kommen aus Polen, beide entstammen gemischtnationalen Familien und bei beiden wachsen die Kinder bilingual auf. Ein schönes Beispiel für Integration unter Wahrung seiner eigenen Wurzeln.

Mesut Özil ist repräsentant der nächstgrößeren Einwanderergruppe. Er ist Nachfahre türkischer Einwanderer eigentlich schon in dritter Generation, denn bereits seine Großeltern sind mit dem zweijährigen Vater nach Deutschland gekommen. Im Ruhrgebiet aufgewachsen, hat er sich wie sein Vater für die deutsche Staatsangehörigkeit entschieden und hat ein besonders europäisch geprägtes Bild von Nationalitäten. Auf seine Zugehörigkeit angesprochen, hat er darauf hingewiesen, dass er in seinem Leben mehr Zeit in Spanien als in der Türkei verbracht hätte und unterstrich, dass eine klassische Einordnung schwierig sei. („bin ich dann ein deutsch-türkischer Spanier oder ein spanischer Deutsch-Türke“). Er plädiert für eine „grenzenlose“ Betrachtung der Menschen.

Wir möchten uns gar nicht ausmalen wie das WM-Finale ohne die Leistung Jerome Boatengs ausgegangen wäre. Für ihn war es wahrscheinlich das Spiel des Lebens. Er ist ebenfalls ein in Deutschland geborenes Kind einer gemischtnationalen Ehe. Auch in seiner Familie herrscht gelebte Multikulturalität: Er hat sich für den Einsatz in der deutschen Nationalmannschaft entschieden, der Bruder beschloss für Ghana zu spielen.

Auch ohne die Leistung von Sami Khedira wäre der Weltmeistertitel nicht denkbar gewesen. Ähnlich wie Jerome Boateng ist er Sohn eines tunesischen Vaters und einer deutschen Mutter, ist in Deutschland geboren und aufgewachsen.

Auch Shkodran Mustafi kam zu einem kurzen Einsatz. Ein weiterer Vertreter der „zweiten Einwanderergeneration“ entstammt der albanischen Minderheit in Mazedonien und ist damit ein sehr schönes Beispiel für die kulturelle Vielfalt Europas. Auch er ist in Deutschland geboren und aufgewachsen.

Auffällig ist, dass außer Jerome Boateng keiner der Fußaballer mit ausländischen Wurzeln in Deutschland spielt. Sie sind gleich „mehrfache Migranten“. Dies liegt natürlich daran, dass im Fußball längst gängig ist, was deutsche Unternehmen noch lernen müssen: Man wirbt die besten der Welt unabhängig von ihrer Nationalität und Herkunft an. Sei es in den Vereinen oder auch in den Nationalmannschaften.

Ich denke auch die deutsche Wirtschaft könnte davon lernen: Wir können nicht nur bestehende Lücken mit ausländischen Fachkräften schließen. Wenn wir Offenheit und Integrationsvermögen zeigen, haben wir auch die Chance die weltbesten Ingenieure, IT-Spezialisten, Ärzte und Facharbeiter für uns zu gewinnen. Die Voraussetzungen sind so gut wie nie zuvor: Deutschland bietet eine hohe Lebensqualität, soziale Sicherheit und ist, man mag es kaum glauben, in vielen Ländern sehr beliebt.

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